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Mut

Mut zum Anderssein. Zu sich stehen. Seinen eigenen Weg gehen. Phrasen, die wir bekräftigen und denen wir immer kopfnickend zustimmen. Doch verinnerlichen wir diese auch? Und leben wir sie?

Sätze wie diese geben wir selbst nur zu gerne als Ratschläge an andere Menschen in unserem Umfeld weiter. Geht es aber um uns selbst, suchen wir Ausreden und kehren – sofern wir sie je verlassen haben – in unsere kuschelige Komfortzone zurück.

Komfortable Komfortzone

Ich mag meine Komfortzone, ich gebe es zu. Doch dann kommt es wieder: das schlechte Gewissen ob meiner regelrechten Faulheit auf der einen Seite und die unglaubliche Neugierde und Wissbegierde auf der anderen Seite. Tief in mir habe ich eine unglaubliche Unruhe, etwas zu verpassen, sollte ich nicht alles Mögliche ausprobiert und erlebt haben. Und natürlich schlägt sich das nicht nur privat, sondern auch beruflich nieder. Viele Interessensgebiete, viel Neugierde und auch die Fähigkeit, sich als sogenannte „Allrounderin“ schnell in neue Gefilde einzuarbeiten. Was nach einem positiven Aspekt klingt, empfand ich lange Zeit – und auch heute ertappe ich mich gelegentlich dabei – als negative Eigenschaft meiner Person.

Eines Tages hatte meine Taufpatin die Idee, sie teste mich anhand des „Tiroler Zahlenrads“, das erläutert, wie man aufgrund der Geburtszahlen Hinweise auf Talente, Fähigkeiten und Begabungen entschlüssle. Überraschung! Meine Interessen und Fähigkeiten deuteten in alle Himmelsrichtungen, ohne eine gestärkte Basis zu offenbaren. Ein Tausendsassa also. Ich wusste es.

Was nun tun mit dieser Erkenntnis? Einfach weitermachen und Sachen auf mich zukommen lassen, dachte ich. Hat bis jetzt gut funktioniert und wird es demnach auch in Zukunft.

Wendepunkt

Ich habe also gelernt diesen Wissensdurst zu akzeptieren und ihn als positiven Aspekt zu sehen. Warum denn auch nicht? Ich sah meine Begeisterungsfähigkeit stets als Motor für neue Herausforderungen im Privaten und in Jobs.

Doch wie wir es alle kennen, sind nicht nur positive Meinungen und Menschen da draußen, sondern auch viel Negatives. Negatives, das einem – aus welchen Beweggründen auch immer – Intoleranz, Ignoranz oder auch einfach Neid entgegenbringt. Ich gebe zu, die Wahl meines Studiums der Musikwissenschaft in Kombination mit Japanologie stieß bei vielen Menschen auf Unverständnis.

„Was macht man denn damit?“, „Wieso studiert man denn sowas?“, „Was macht man nachher damit?“ oder „Warum hast du nicht was G’scheites studiert?“. Meinungen, die mich seither begleiten. Immer und immer wieder.

Irgendwann begann ich es selbst zu glauben. Irgendwann wurde ich unsicher, ob meine Fähigkeiten denn im doch so straighten und toughen Berufsleben ausreichen, ob meine Vielfältigkeit denn überhaupt was bringe, weil ich ja schließlich keine Fachspezifikation hatte. Dies hat soweit geführt, bis ich irgendwann bei jeder Kleinigkeit unsicher wurde und auch im Umgang mit Kollegen oder Kunden meine Meinung gerne hinten angestellt habe, um zu gefallen.

Ich muss gefallen

„Ich muss jedem gefallen“. Ein Motto, nach dem ich fortan meinen Berufsalltag und zum Teil sogar mein Privatleben gestaltete. Und ich muss zugeben, es ging gut, denn „es jedem rechtzumachen“ beschert dir positives Feedback.

Aber war ich auch wirklich ich selbst? Die Antwort ist mir heute, mit dem gebührenden Abstand, sofort klar: Nein. Und ich ärgere mich über mich selbst. Mich verstellt zu haben, nicht zu mir zu stehen, die Meinung anderer Menschen über meine eigene zu stellen und zu viel Negatives an mich heran zu lassen.

Schluss damit!

War ich denn völlig wahnsinnig geworden? Wie konnte es passieren, dass ich mich und meine Person dermaßen schlecht machen ließ und selbst schlecht machte? Wenn man ein sensibler Mensch ist, der stets darauf bedacht ist, niemandem seinen eigenen Hut aufzusetzen und jeden so zu nehmen, wie er ist, dann sind Beeinflussungen und negative Meinungen wesensfremd. Und aufgrund dieser wesensfremden Züge war ich völlig überfordert und verunsichert. Schluss damit!

Ein Schritt nach dem anderen

Ich begann Menschen aus meinem Leben zu verbannen, die meine Energie kosteten. Ich las sehr viele Bücher, ich besuchte regelmäßige Reiki-Sitzungen und ich wurde noch selbstreflektierter. Doch vor allem Menschen, die mich bestärkten, halfen mir auf dem Weg, meine innere Stärke (wieder) zu finden. Eine Stärke, vor der ich heute keine Angst mehr habe. Doch auch die wachsende Entspanntheit, dass ich Menschen, die mit dieser und mit meiner Persönlichkeit nicht umzugehen wissen, aus meinem Leben ausklammere und stattdessen Menschen um mich habe, die ich wertschätze und die mich wertschätzen. Eigentlich ganz einfach.

Und mit dieser Zurückerlangung meiner inneren Stärke habe ich auch verstanden, dass meine Vielseitigkeit auch im Berufsleben von Vorteil ist. Ich bin freie Texterin, es ist mein Beruf, mich schnell in neue Themen einzuarbeiten und Texte zu schreiben. So kann ich meine Begeisterungsfähigkeit für Neues einsetzen und dabei noch Spaß haben.

Verdammt noch mal, nun aber wirklich!

Wenn ich sagen würde, dass ich heute keine Selbstzweifel mehr hätte, wäre das gelogen, denn ja, ich zweifle noch viel zu oft an mir selbst. Doch ich weiß mir mittlerweile aus diesen Momenten rauszuhelfen und wenn nicht selbst, dann kenne ich Menschen, die mich dabei anstupsen.

Viel zu oft lassen wir uns von negativen Meinungen beeinflussen und uns nicht zu uns selbst stehen lassen. Bitte lass das nicht zu und hör auf dich selbst, lass andere Menschen nicht über dich entscheiden.

Sag, was du zu sagen hast!

Mag. Lisa Pernkopf ist Texterin, Ghostwriter, Stimmtrainerin und klassische Sängerin. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. 😉